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KI & mein Job

KI in deinem Beruf

Marketing

Der erste Entwurf ist nicht mehr die Arbeit — das Prüfen ist es. Fang mit etwas an, wo ein Fehler nichts kostet: drei Kampagnenansätze aus erfundenen Produktfakten, fünfzehn Minuten.

Stand: 11. August 2026


Was sich in deinem Beruf gerade ändert

Das Auffälligste zuerst: Du fängst seltener mit einem leeren Blatt an. Aus Stichpunkten, einem Produktblatt und einem alten Text entsteht in Minuten ein Entwurf. Damit verschiebt sich deine Arbeit — vom Formulieren zum Briefen, Auswählen und Gegenlesen. Das klingt nach weniger Arbeit und ist eine andere: Du musst jetzt erkennen, wenn ein glatter Text mehr behauptet, als in deinen Unterlagen stand.

Denn genau dort geht es regelmäßig schief. Aus einer Vertriebsnotiz wird eine Kundenbeobachtung. Aus zwölf Prozent im internen Test werden dreißig Prozent in der Überschrift. Aus „für zwei Modelle ab Baujahr 2016 freigegeben” wird „für alle Anlagen geeignet”. Nichts davon ist gelogen, alles davon ist eine halbe Drehung zu positiv — und veröffentlicht steht es mit dem Namen deines Hauses darunter. Dass ein Werkzeug Zahlen und Quellen sehr überzeugend erfinden kann, ist keine Randnotiz: Die amerikanische Normungsbehörde führt genau diesen Fehler in ihrer Risikoliste zu solchen Systemen und empfiehlt, Quellen und Zitate selbst nachzuschlagen.

Das Zweite betrifft Ideen. Zehn Überschriften sind schnell erzeugt — zehn verschiedene Gedanken nicht. Ein Experiment mit Kurzgeschichten hat beides gleichzeitig gefunden: Die einzelnen Texte wurden mit KI-Unterstützung besser bewertet, besonders bei denen, die sich selbst nicht für einfallsreich halten. Zugleich wurden die Texte einander ähnlicher. Für dich heißt das: Der Ausgangsstapel wird größer, die Auswahl wird schwieriger und wichtiger. Wenn alle fünf Ansätze aus demselben Produktblatt und derselben Anweisung stammen, unterscheiden sie sich oft nur im Ton.

Und das Dritte betrifft die Zahlen, die du auswerten musst. Aus einem Kampagnenbericht wird schnell eine lesbare Zusammenfassung mit Auffälligkeiten. Aber die Erklärung, warum im Mai mehr Anfragen kamen, steht selten in der Tabelle: Saison, Messe, eine Preisrunde beim Wettbewerb, drei Wochen Urlaub im Vertrieb. Ein Werkzeug macht aus einer zeitlichen Übereinstimmung eine überzeugende Geschichte. Die Frage, die das verhindert, ist immer dieselbe: Welche zusätzliche Information würde diese Vermutung widerlegen?

Wie verbreitet das alles ist, lässt sich inzwischen beziffern, und die Zahl ist kleiner, als das Gerede vermuten lässt: 2025 nutzte jedes fünfte Unternehmen in der EU ab zehn Beschäftigten überhaupt irgendeine KI-Technologie. Du bist also weder spät dran noch abgehängt. Der Vorsprung, um den es geht, ist kein technischer.

Er ist ein Übungsvorsprung — und das ist das, was Warten wirklich kostet. Wer nur fertige Texte bestellt, lernt nichts. Das Gefühl dafür, welchem Entwurf man trauen kann und welchem nicht, entsteht nur, indem man kleine, überprüfbare Sachen ausprobiert und die Fehler selbst findet. Wer damit anfängt, wenn eine Kampagne eilt, baut es unter Druck auf. Fang lieber mit etwas an, wo ein Fehler nichts kostet: mit erfundenen Produktfakten, fünfzehn Minuten, hier auf dieser Seite weiter unten.


Woher die Zahlen stammen. Die Verbreitungszahlen kommen von Eurostat (Erhebung 2025, veröffentlicht am 11. Dezember 2025): 20,0 Prozent der erfassten EU-Unternehmen, Textanalyse 11,8 Prozent, Erzeugung von Bild, Video oder Ton 9,5 Prozent, Erzeugung von Text oder Sprache 8,8 Prozent. Das Experiment zu besseren, aber ähnlicheren Texten ist Doshi und Hauser, „Generative AI enhances individual creativity but reduces the collective diversity of novel content”, Science Advances, Juli 2024 — untersucht wurden Kurzgeschichten, nicht Werbetexte; die Übertragung auf Kampagnenarbeit ist unsere Einschätzung. Dass berufliche Schreibaufgaben schneller erledigt und besser bewertet wurden, zeigt Noy und Zhang, Science, Juli 2023, mit 453 Teilnehmenden unter anderem aus dem Marketing — die Aufgaben dort brauchten allerdings weder echten Firmenkontext noch eine Faktenprüfung. Die Risikoliste zu erfundenen Aussagen und die Empfehlung, Quellen selbst zu öffnen, stammt aus dem GenAI-Profil des NIST (Juli 2024). Zu personenbezogenen Daten in Ein- und Ausgaben siehe die Handreichung der Bundesbeauftragten für den Datenschutz (Dezember 2025); sie richtet sich an Bundesbehörden, die Übertragung auf euer Haus klärt ihr mit IT und Datenschutz. Alle Quellen abgerufen am 11. August 2026.

Wofür wir keinen Beleg gefunden haben: wie viel Zeit Marketingteams im deutschen Mittelstand bei diesen Aufgaben tatsächlich sparen, und ob KI-gestützte Texte oder Bilder zu mehr qualifizierten Anfragen führen. Wer das behauptet, verkauft etwas.


Probier es aus — in 15 Minuten

Ohne echte Daten, ohne Freigabe, ohne Risiko. Nur du und ein Chatfenster.

Aus acht Produktfakten werden drei Kampagnenansätze — und du siehst in fünfzehn Minuten, an welcher Stelle so ein Entwurf regelmäßig etwas verspricht, das niemand belegen kann.

Deine Übungsdaten — frei erfunden, einfach kopieren:

Produktfakten (Firma und Angaben frei erfunden):

Die Hagedorn Lufttechnik GmbH verkauft austauschbare Filterkassetten
für Absauganlagen in metallverarbeitenden Betrieben.

- Die Kassette lässt sich ohne Spezialwerkzeug wechseln.
- Die Wechselanzeige ist von außen sichtbar.
- Es gibt vier Größen.
- Lieferzeit üblicherweise fünf bis sieben Arbeitstage.
- Wie viel Arbeitszeit oder Energie das spart, ist nicht gemessen.
- Zielgruppe: Instandhaltungsleiter in Betrieben mit 50 bis 500 Leuten.
- Ziel: eine Anfrage für ein technisches Erstgespräch.
- Ton: sachlich, direkt, keine Übertreibungen.
  1. Kopier die Übungsdaten in das Chatfenster, das bei dir freigegeben ist, und schreib dazu: „Entwickle drei Kampagnenansätze — einen zum Wartungsaufwand, einen zur Planbarkeit, einen zur einfachen Bedienung. Je Ansatz eine Überschrift mit höchstens zwölf Wörtern."
  2. Verlang eine Begründung: „Nenne zu jeder Überschrift, auf welchem der Fakten oben sie beruht." Jetzt wird sichtbar, welche Aussage auf nichts steht.
  3. Frag nach: „Markiere alles, was über die genannten Fakten hinausgeht." Achte besonders auf Zeitersparnis, Kostenvorteile und Wörter wie „schnellste" oder „führend" — die stehen nirgends in den Daten.
  4. Such nach dem zweiten Fehler: Sind die drei Ansätze wirklich verschieden, oder dreimal derselbe Gedanke in anderen Worten? Lass dir die Ähnlichkeiten selbst benennen.
  5. Nimm eine Überschrift und schreib sie so um, wie du sie tatsächlich veröffentlichen würdest. Das ist der eigentliche Vergleich.

Danach ein paar Fragen an dich selbst:

  • Welcher Ansatz trifft den Arbeitsalltag der Zielgruppe am ehesten?
  • Welche Formulierung klang gut und war durch keinen Fakt gedeckt?
  • Waren die drei Ansätze verschieden — oder nur umformuliert?
  • Was weiß ich über diese Zielgruppe, das in den Übungsdaten fehlte?
  • Würde ich das nach einer fachlichen Prüfung so herausgeben?

Aufgaben aus deinem Alltag


Was du hineingeben darfst

Die Stufe hängt nie am Inhalt allein, sondern am Paar aus Inhalt und Zusage: Dieselbe Kundenliste ist im Werkzeug, für das dein Haus unterschrieben hat, grün — und im Privatkonto rot.

  • Darf rein Grün
    • Kampagnenbriefings, Produktunterlagen, freigegebene Markenrichtlinien
    • Unveröffentlichte Kampagnenzahlen und Auswertungen aus eurem Berichtssystem
    • Deine Gesprächsnotizen aus Interviews mit Fachleuten
    • Kunden- und Ansprechpartnerdaten, soweit sie zu deiner Arbeit gehören
    • Erfundene Übungsdaten

    Das gilt für ein Werkzeug, für das dein Haus unterschrieben hat — dafür ist der Vertrag da. Dann darf hinein, was zu deiner Arbeit gehört. Was herauskommt, liest du trotzdem gegen: Ein Entwurf, der eine Zahl erfindet, sieht genauso ordentlich aus wie einer, der stimmt.

  • Erst unkenntlich machen Gelb
    • Interviewnotizen, solange du nicht weißt, ob euer Werkzeug freigegeben ist
    • Kampagnenberichte ohne Freigabe für dieses Werkzeug
    • Briefings mit unveröffentlichten Preisen, Markteintritten oder Partnern
    • Rückmeldungen aus dem Vertrieb mit Kundenmerkmalen

    Erst unkenntlich machen. Die Prüffrage: Könnte ein Fremder aus dem Text erkennen, um welche Firma, welchen Kunden oder welche Person es geht? „Kunde A" reicht nicht, wenn Branche, Standort und Anlagengröße daneben stehen — dann zeigt der Text weiterhin auf genau einen Betrieb.

  • Bleibt draußen Rot
    • Kontaktlisten im Privatkonto
    • Wer welche Mail geöffnet, geklickt oder gekauft hat — im Privatkonto
    • Unveröffentlichte Preis- und Markteintrittspläne in einem Werkzeug ohne Zusage
    • Produkteinführungen unter Geheimhaltung in einem Werkzeug ohne Zusage
    • Mitschnitte von Gesprächen, in die niemand eingewilligt hat

    Rot ist hier fast immer der Weg, nicht der Inhalt: Im freigegebenen Firmensystem ist dasselbe erlaubt. Frag, welches das bei euch ist — der Satz dafür steht oben. Die eine Ausnahme ist die letzte Zeile: Ein Mitschnitt ohne Einwilligung bleibt draußen, egal welches Werkzeug.

Du weißt nicht, was bei euch freigegeben ist? Schick deiner IT diesen einen Satz:

„Welches KI-Werkzeug ist bei uns freigegeben — und darf ich dort Kampagnenbriefings, unveröffentlichte Produktunterlagen, Auswertungen aus unserem Kampagnenbericht und Kontaktdaten von Kunden hineingeben? "


Was bei dir bleibt

Das ist keine Beruhigungsfloskel, sondern eine Arbeitsteilung: Die Maschine bereitet vor, du entscheidest — und dafür stehst du gerade.

  • Was das Unternehmen verspricht

    „Bis zu 30 Prozent weniger Stillstand" ist keine Formulierungsfrage, sondern eine Zusage. Ob sie stimmt, belegt ist und freigegeben wurde, entscheidet die Fachabteilung — und du bringst sie dorthin.

    Was KI dabei höchstens vorbereitet: Jede Behauptung im Entwurf markieren und der Quelle zuordnen.

  • Wofür die Kampagne da ist

    Reichweite, Anfragen, Kundenbindung und Absatz sind vier verschiedene Ziele, die sich gegenseitig im Weg stehen können. Welcher Zielkonflikt für euer Haus richtig ist, weiß niemand außerhalb.

    Was KI dabei höchstens vorbereitet: Mögliche Ziele nebeneinanderlegen, damit der Konflikt sichtbar wird.

  • Ob die Zielgruppe sich wiedererkennt

    Was deine Kundschaft wirklich umtreibt, weißt du aus Messegesprächen, Reklamationen und dem, was der Vertrieb abends erzählt. Ein Werkzeug kennt Werbetexte über die Branche, nicht die Branche.

    Was KI dabei höchstens vorbereitet: Mögliche Einwände sammeln — als Vorschlag, nicht als Befund.

  • Ob es nach euch klingt

    Tonregeln lassen sich anwenden, Wiedererkennbarkeit nicht. Ein Text kann jede Vorgabe erfüllen und trotzdem klingen wie der von drei Wettbewerbern.

    Was KI dabei höchstens vorbereitet: Eine Fassung, an der du hörst, was fehlt.

  • Die Freigabe

    Bild, Überschrift, Zahl und Handlungsaufforderung wirken zusammen, und veröffentlicht ist veröffentlicht. Dafür steht ein Mensch mit Namen ein.

    Was KI dabei höchstens vorbereitet: Die Bestandteile einzeln prüfen. Die Unterschrift nicht.

  • Die Gespräche dahinter

    Ob die Technik eine Aussage mitträgt und ob die Geschäftsführung sich darauf festlegt, wird ausgehandelt, nicht ausgerechnet.

    Was KI dabei höchstens vorbereitet: Fragen vorbereiten, Notizen ordnen.


Geprüfte Werkzeuge für diesen Bereich

Jede Bewertung beantwortet zuerst die Frage, ob du das Werkzeug mit deinen Unterlagen benutzen darfst.

  • ChatGPT

    Hat euer Haus ein Firmenkonto, darfst du damit arbeiten — mit Vertrag und ohne Training. Free, Go, Plus und Pro bleiben dagegen Privatkonten, auch wenn die Firma die Rechnung zahlt.

    Darf rein

  • Claude

    Hat euer Haus ein Team- oder Enterprise-Konto, darfst du damit arbeiten: mit Vertrag, ohne Training. Free, Pro und Max bleiben Privatkonten, auch wenn die Firma zahlt. Besprechungen mitschreiben kann es nicht.

    Darf rein

  • DeepSeek

    Ein kostenloses Chatfenster aus China, das erstaunlich viel kann. Widersprich zuerst dem Training — danach ja, aber ohne Namen und Beträge: Einen Vertrag mit deinem Arbeitgeber gibt es nicht.

    Erst unkenntlich machen

  • Gemini

    Läuft Gemini über das Google-Workspace-Konto deiner Firma, darfst du damit arbeiten: Vertrag da, kein Training. Free, AI Plus, Pro und Ultra sind Privatkonten — auch wenn die Firma die Rechnung zahlt.

    Darf rein

  • Microsoft 365 Copilot

    Das Chatwerkzeug, das eure eigenen Mails, Dateien und Besprechungen kennt — und mit echten Kundennamen und Zahlen benutzt werden darf. Bestellen muss es die IT, allein bekommst du es nicht.

    Darf rein

  • Microsoft Copilot

    Kostenlos und längst auf deinem Rechner. Mit dem Arbeitskonto angemeldet darfst du Firmenunterlagen hineingeben — und es kostet weiterhin nichts. Mit dem Privatkonto rät Microsoft selbst davon ab.

    Darf rein

  • Qwen (Qwen Studio, früher Qwen Chat)

    Ein kostenloses Chatfenster aus dem Alibaba-Konzern. Es kann viel — für betriebliche Unterlagen fehlt die Grundlage: kein Vertrag, kein Schalter gegen das Training, Verarbeitung in Singapur und China.

    Bleibt draußen

  • Vibe (früher Le Chat)

    Hat euer Haus ein Team- oder Enterprise-Konto, darfst du damit arbeiten: mit Vertrag, Anbieter in Frankreich. Free und Pro bleiben Privatkonten. Heißt seit Kurzem Vibe, nicht mehr Le Chat.

    Darf rein

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